Pro und contra impfen

Pro und contra impfen

29. Oktober 2025 Seite drucken

Die Welt des Impfens ist nicht schwarz-weiss. Es gibt wesentliche Unterschiede zu kennen und Argumente abzuwägen. Wir laden Sie ein, sich ein differenziertes Bild zu machen.

Das Thema Impfen weckt Emotionen: Umso wichtiger ist es, die damit zusammenhängenden Fragen ruhig und sachlich zu behandeln. Wir plädieren für einen INDIVIDUELLEN Impfentscheid und ermutigen alle, sich für die eigene Aufklärung und Meinungsbildung die nötige Zeit zu nehmen.

1. Welche Formen von Impfungen gibt es?

Impfung ist nicht gleich Impfung. Es gibt unterschiedliche Formen oder Strategien, eine immunlogische Kompetenz aufzubauen, die den Körper darauf vorbereitet und ihm dabei hilft, eine echte Infektion abzuwehren.

Aktive Immunisierung: Am meisten verbreitet ist die Immunisierung durch die Gabe eines ABGESCHWÄCHTEN Krankheitserregers. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder Teile davon. Beispiele sind die Impfungen gegen Grippe, Pertussis (Keuchhusten) und Polio (Kinderlähmung). Bei der Gabe von abgeschwächten lebenden Erregern spricht man von Lebendimpfstoffen. Dazu zählen die Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

Passive Immunisierung: Eine andere, seltene Form der Immunisierung besteht darin, dem Immunsystem direkt die Munition (Antikörper) zu liefern. Angewendet wird die passive Immunisierung zum Beispiel bei einer drohenden Tollwut-Infektion, nach einem Biss durch ein verdächtiges Tier. Da die gespritzten Antikörper rasch aufgebraucht und abgebaut werden, hält ein solcher Impfschutz allerdings nur wenige Wochen.

Konjugatimpfstoffe: Diese Impfstoffe koppeln den Wirkstoff an ein Proteinträgermolekül. Diese Koppelung soll die Immunreaktion verstärken. Beispiele sind die Konjugatimpfstoffe gegen Pneumokokken und Meningokokken.

mRNA-Impfstoffe: Eine ganz andere Strategie verfolgen die neuartigen mRNA-Impfstoffe. Sie liefern den Körperzellen Teile der Erbinformation eines Virus. Damit erhalten die Zellen den Bauplan, um selber einen Teil des Virus zu produzieren. Im Falle der COVID-Impfungen bilden sie das Spikeprotein an der Virusoberfläche. Gelangen die selbst gebauten Spikeproteine ins Blut, aktivieren sie das Immunsystem und provozieren die Bildung von Antikörpern.

2. Welche Impfungen werden behördlich empfohlen und warum?

Gemäss dem Schweizerischen Impfplan 2025 sollen folgende Basisimpfungen bei Säuglingen und Kleinkindern (0-3 Jahre) für eine Grundimmunisierung sorgen:

  • Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Hepatitis B
  • Pneumokokken
  • Masern, Mumps, Röteln
  • Varizellen (Windpocken)
  • RSV (Respiratory Syncytial Virus)

Hinzu kommen Basisimpfungen bei Jugendlichen:

  • HPV (Humane Papillomviren)
  • Auffrischungen von Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio

Sowie Auffrisch- und Nachholimpfungen bei Erwachsenen:

  • Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Auffrischungen)
  • MMR, Varizellen (Nachholimpfungen)

Basisimpfungen sollen die breite Bevölkerung schützen. Zusätzlich werden speziell älteren Menschen (ab 65 Jahren) ergänzende Impfungen empfohlen:

  • Influenza (Grippe)
  • Pneumokokken
  • Herpes Zoster (Gürtelrose)

Weitere spezielle Impfempfehlungen gelten für Risikogruppen wie Schwangere, Frühgeborene, chronisch kranke und/oder immunsupprimierte Personen. Ausserdem für Personen, die in Endemiegebiete reisen oder sich beruflich exponieren (Hepatitis A, Tollwut, Typhus, Gelbfieber, Meningokokken).

 3Welche Argumente sprechen für das Impfen?

Epidemiologische Evidenz: Impfungen haben einige Erkrankungen ganz oder fast ganz ausgerottet. So sind die Pocken seit 1980 verschwunden. Die Fälle von Polio (Kinderlähmung) sind um 99 Prozent zurückgegangen.

Reduktion der Krankheitslast: Impfungen sind die kosteneffektivste Massnahme im Interesse der öffentlichen Gesundheit (Public Health).

Nutzen für den Einzelnen: Studien zeigen, dass Impfungen schwere Komplikationen von Infektionskrankheiten reduzieren können.

Gemeinschaftsnutzen: Impfungen leisten einen Beitrag zur sog. Herdenimmunität, von der alle profitieren, Geimpfte wie Ungeimpfte.

 4Welche Argumente sprechen gegen das Impfen?

Reaktionen auf die Impfung: Impfungen verursachen bei jeder zweiten Person eine Entzündung an der Injektionsstelle; es kommt zu Rötung und Schwellung. 10 bis 30 Prozent haben nach einer Impfung systemische Beschwerden wie Fieber, Muskelschmerzen oder Fatigue.

Seltene gravierende Nebenwirkungen: Selten kommt es nach Impfungen zu einer teils lebensbedrohlichen allergischen systemischen Immunreaktion (Anaphylaxie) oder zum Absinken der Anzahl Blutplättchen; ein Manko an Blutplättchen (Thrombozytopenie) hat Einfluss auf die Blutgerinnung. Weitere Bespiele für gravierende Nebenwirkungen sind das Guillan-Barré-Syndrom nach der Grippeschutzimpfung oder die Myokarditis (Herzmuskelentzündung) nach mRNA-Impfungen.

Autoimmunerkrankungen: Impfungen von Säuglingen erfolgen in einer sensiblen Entwicklungs- und Aufbauphase des noch unreifen Immunsystems und stehen im Verdacht, zu Autoimmunerkrankungen zu führen.

5. Verursachen Impfungen Autoimmunerkrankungen?

Weltweit erhalten heute rund 80 Prozent der Kinder eine Form der Basisimpfung. In dem Masse, wie seit 1950 Infektionskrankheiten dank Impfungen zurückgegangen sind, haben Autoimmunstörungen und -krankheiten zugenommen. Dieser Zusammenhang gibt zu denken.

Grundsätzlich aber handelt es sich um den Zusammenhang von Statistiken. Eine statistische Korrelation beweist noch keinen kausalen Zusammenhang. Es gibt einige andere Faktoren, die für die Zunahme von Autoimmunerkrankungen als Erklärung dienen können, wie etwa Ernährungsgewohnheiten, die dem Mikrobiom und damit auch dem darmassoziierten Immunsystem Schaden zufügen.

6. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Impfen?

Gemäss Impfplan ist ein ganzes Dutzend Basisimpfungen im Säuglings- und Kleinkindalter unterzubringen. Es stellt sich die Frage, ob hier gilt «je früher, desto besser»?

Zur informierten Impfentscheidung gehört auch, dass Sie sich als Eltern mit den Fragen des richtigen Zeitpunkts auseinandersetzen. Dabei wird Sie eine verständnisvolle Kinderärztin oder ein verständnisvoller Kinderarzt fachkundig begleiten.

7. Ist Impfen eine «Bürgerpflicht»?

Beim Thema Impfen bewegen wir uns immer im Spannungsfeld von individueller Autonomie und dem Gemeinschaftsinteresse. Wir sind hier wie bei keiner anderen medizinischen Massnahme gefordert, unser Verhältnis zu den Mitmenschen zu bedenken.

Wichtig: Der Impfplan formuliert Empfehlungen, keine Zwänge. Wenn Sie sich nach reiflichem Abwägen der Vorteile und der Risiken gegen Impfungen entscheiden, ist diese Entscheidung zu respektieren.

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gf

Dieser Blogartikel entstand im Rahmen des Vortrags «Impfen pro und contra – Perspektiven für eine informierte Entscheidung» des Gesundheitsforums vom 17.09.2025.
Weitere Veranstaltungen des Gesundheitsforums und der Klinik Arlesheim

Autor / Autorin

Text: Patrick Frei, Geprüft von: Philipp Busche, Chefarzt Innere Medizin
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