Das Chronische Fatigue Syndrom (ME/CFS) tritt als Folge eines Long-COVID/Post-COVID Syndroms aktuell verstärkt auf. Schweizweit sind etwa 40.000 bis 70.000 Menschen betroffen. Frauen häufiger als Männer. Auch andere Infektionserkrankungen wie das Pfeiffersche Drüsenfieber (EBV-Virus), die saisonale Grippe (Influenza Virus), Impfungen oder traumatische Lebensereignisse können zu dieser Erkrankung führen.
Das Leitsymptom besteht in einer stark reduzierten Belastbarkeit und Erschöpfung. Häufig geht dies mit Sinnes- und Konzentrationsstörungen, Reizüberempfindlichkeit, Kopf- und Nackenschmerzen, Atemnot, Herzrasen, Übelkeit und Verdauungsstörungen, Muskelschmerzen und Sensibilitäts- bzw. Gefühlsstörungen einher. Charakteristisch treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf. Die Symptome verstärken sich nach geringster körperlicher oder geistiger Anstrengung (Post-Exertional Malaise) und halten oftmals über Tage bis Wochen an.
Wiederholte Verschlechterungen (umgangssprachlich Crash) führen zu vermehrtem Ruhe- und Liegebedarf, im Verlauf meist auch zu Arbeitsunfähigkeit und sozialem Rückzug. Schwerbetroffene sind an die eigene Wohnumgebung, das eigene reizabgeschirmte Zimmer oder gar an das eigene Bett gebunden. Innere Belastungen wie Unruhe, Schlafstörungen, Ängste, Kontrollzwänge, Wut und Verzweiflung können hinzukommen. Diese sekundären psychischen Folgen verkomplizieren die Erkrankung zusätzlich, woran nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch das soziale Umfeld leiden.
ME/CFS ist eine komplexe Erkrankung, welche in ihrem Vollbild vielfältige Organ- und Funktionssysteme betrifft. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Erkrankung neben der körperlichen Symptomatik auch vermehrt psychische, soziale und existentielle Fragen aufwerfen. Unser Therapiekonzept ist bewusst multimodal, ganzheitlich gestaltet und wird jeweils auf die individuelle Situation abgestimmt.
Konventionelle Therapieansätze werden mit dem Menschenbild der Anthroposophischen Medizin verbunden. Dies umfasst folgende Behandlungsbereiche:
Wir haben uns in der Klinik Arlesheim auf das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) spezialisiert und bieten in unserer Fachambulanz eine sorgfältige Erstabklärung und Differentialdiagnostik. Andere körperliche und psychische Ursachen für Erschöpfungszustände müssen ausgeschlossen werden. Unsere Basisdiagnostik umfasst ein Assessment mit Fragebögen, Funktionstests, Laborabklärungen inkl. immunologischer Spezialparameter, indikationsgerechten bildgebenden Verfahren und Einbezug spezialisierter Fachbereiche der Klink Arlesheim wie Neurologie, Pneumologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Psychiatrie und Schlafmedizin.
Neben der Hauptdiagnose ME/CFS werden auch funktionelle Diagnosen wie das Zentrale Sensitivierungssyndrom (CSS), das Postural Orthostatische Tachykardie Syndrom (POTS), funktionelle Gastroparesen und das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) sowie die Small Fibre Neuropathie (SFNP) abgeklärt. Diese Störungen sind häufige Begleiterkrankungen der zugrundeliegenden neurovegetativen und immunologischen Funktionsstörung von ME/CFS.
Unsere Fachambulanz Fatigue/Post-COVID bietet eine ambulante Erstabklärung bei unklaren Erschöpfungszuständen mit Belastungsintoleranz, insbesondere wenn diese erstmalig nach einer Infektion oder Impfung aufgetreten sind. Das diagnostische und therapeutische Vorgehen ist oben aufgeführt. Eine längerfristige Begleitung von Betroffenen ist unter Berücksichtigung einer limitierten Konsultationsfrequenz möglich. Die Zusammenarbeit mit der Hausärztin bzw. dem Hausarzt ist uns wichtig.
Nach Zuweisung und Terminvergabe verschicken wir einen umfangreichen Fragebogen mit der Bitte diesen vor dem Termin auszufüllen. Die Erstkonsultation dauert 60 Minuten und findet in Arlesheim statt. Im Verlauf sind auch telemedizinische Konsultationen möglich.
Unsere Fatigue/Post-COVID-Station der Inneren Medizin richtet sich an Schwerbetroffene (Bell Score < 60), welche längerfristig arbeitsunfähig sind oder die eigene Wohnumgebung, das eigene Zimmer oder Bett nicht verlassen können. Auch hier findet das oben dargestellte diagnostische und therapeutische Konzept Anwendung, wenn gleich wir uns bemühen, die eingeschränkten Belastungsgrenzen zu wahren.
Nach Zuweisung verschicken wir einen umfangreichen Fragebogen. Sobald uns dieser ausgefüllt vorliegt, erfolgt ein telefonisches Vorgespräch zur Abschätzung der aktuellen Erkrankungssituation, Tagesgestaltung, Bedürfnisse und Zielsetzung eines möglichen Aufenthalts. Je nach Schweregrad und Versicherungssituation sind Aufenthalte von zwei bis vier Wochen möglich. Eine Anschlusslösung muss vorab gewährleistet sein.
Fachambulanz Fatigue/Post-COVID
Für Erstabklärungen und Begleitung von Betroffenen aller Schweregrade
Telefon: +41 (0) 61 705 71 13
Email: fatigue-covid@klinik-arlesheim.ch
Eine haus- oder fachärztliche Zuweisung ist erforderlich. Wir bitten dafür folgendes Formular zu nutzen:
Zuweisungsformular Fachambulanz
Die Bestätigung der Zuweisung erfolgt in der Regel innerhalb einer Woche. Aktuell ist mit mehrmonatigen Wartezeiten zu rechnen.
Stationsabteilung Fatigue/Post-COVID auf der Innere Medizin
Für Schwerbetroffene (Bell-Score < 60 Punkte)
Telefon: +41 (0) 61 705 72 07.
Email: spital@klinik-arlesheim.ch
Eine haus- oder fachärztliche Zuweisung ist erforderlich. Wir bitten dafür folgendes Einweisungsportal zu nutzen:
Zuweisungsportal Innere Medizin
Die Bestätigung der Zuweisung erfolgt in der Regel innerhalb einer Woche. Ein Fragebogen wird versandt und ein telefonisches Vorgespräch aufgegleist. Aktuell ist mit mehrmonatigen Wartezeiten zu rechnen.
ME/CFS ist schon seit den 1950er-Jahren bekannt und wird seit 1969 von der WHO als neurologische Erkrankung eingestuft. Vor der COVID-19-Pandemie war ME/CFS in der Öffentlichkeit und auch in Teilen der Medizin deutlich weniger bekannt. Zudem bestand über viele Jahre eine erhebliche Forschungslücke, sodass die Erkrankung im Vergleich zu anderen chronischen Krankheiten lange untererforscht blieb.
Die zugrundeliegenden Krankheitsursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem eine persistierende Virus- oder Spikeprotein-Exposition, Veränderungen im Blut- und Kreislaufsystem, eine Dysregulation des autonomen Nervensystems sowie neuroinflammatorische und autoimmune Prozesse. Therapeutisch stehen symptomorientierte Maßnahmen zur Verfügung. Eine kurative Therapie gibt es bislang noch nicht. In unserer Fachambulanz und Stationsabteilung ist es uns ein Anliegen, die Krankheitsursachen zu erforschen und mit unserer Arbeit zu einem vertieften Verständnis dieses komplexen Krankheitsbildes beizutragen. Dabei widmen wir uns aktuell vor allem der Frage, ob sich klinische Subgruppen unterscheiden lassen.
Stationäre Aufnahme
Tel: +41 (0)61 705 72 07
Montag bis Freitag
8 – 17 Uhr
Sekretariat Pfeffingerhof EG
Tel: +41 (0)61 705 71 13
Sie finden uns im Pfeffingerhof.
Bitte nutzen Sie den Eingang "Apotheke" am Stollenrain 11.
Blogbeitrag und Zusammenfassung des Vortrages vom 25. September 2024 im Gesundheitsforum der Klinik Arlesheim.
Unsere Sprechstunde Long-Covid / Post-Infektiöse und Post-Vakzinale Syndrome wurde in der SRF Tagesschau vorgestellt:
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
Wissenschaftliche Projektmanagerin
Leitender Arzt Innere Medizin, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Anthroposophische Medizin (VAOAS)
Leitender Arzt Innere Medizin / Facharzt Innere Medizin / Anthroposophische Medizin (VAOAS)
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