Forschungsaktivitäten und Resultate 2015

Die Forschungsabteilung der Klinik Arlesheim arbeitete im vergangenen Jahr an verschiedenen Themen. Daraus sind zwei Masterarbeiten, 12 Tagungsbeiträge (neun Vorträge und drei Poster), vier Artikel (inkl. Tagungsberichte) und fünf Publikationen in editierten Fachzeitschriften entstanden. Die wichtigsten Projekte aus den Bereichen nichtmedikamentöse Therapien, Phytotherapie, klinische Dokumentation der Onkologie, Diagnostik und Physiologie werden im Folgenden vorgestellt:


Musiktherapie - Atmung und Herzrhythmus bei live gespielter Musik

 

Beobachtungen von Veränderungen des Atems von onkologischen Patienten bei live gespielter bzw. gesungener Musik waren Ausgangspunkt. In der Psychoonkologie finden musiktherapeutische Behandlungen statt, um einen direkten Einfluss auf die Gefühle der Patienten und damit auf ihr augenblickliches Befinden zu nehmen, mit denen sich auch Atem- und Herzrhythmen ändern können. In dieser empirischen Pilotstudie zu einem spezifischen musiktherapeutischen Setting, in dem gesunden Probanden die therapeutische Komposition „Merkurbad" live vorgespielt wurde, untersuchten wir die Herzrhythmusvariabilität (HRV), den Atem und die Befindlichkeit.

Mit Einsetzen der Musik werden tendenzielle Veränderungen des Atems und der HRV-Parameter hin zu freierer Atmung, Entspannung, Beruhigung und Erholung beobachtet, die sich teilweise in die Nachruhe erhalten. Die physiologischen Änderungen gehen einher mit einer Verbesserung des intrapsychischen Gleichgewichts und der Vitalität. Für eine direkte Korrelation der physiologischen Parameter mit den sich relativ schnell ändernden musikalischen Parametern scheint die Methode der HRV-Analyse zu langsam. EEG-Messungen wären eventuell angebrachter. Probandenaussagen der nach der Intervention durchgeführten Interviews deuten ebenfalls auf positive Veränderungen der psychophysischen Befindlichkeit.

 

Bedeutung: Physiologische und psychologische Messungen an den ProbandInnen sind einheitlich genug, um als Ausgangspunkt für anschliessende Forschung, mit beispielsweise onkologischen Patienten, zu dienen. Die beobachteten Effektstärken bieten eine Orientierung für die Fallzahlabschätzung bei der Planung weiterführender Studien.


Weitere Informationen

Erreichtes: Die Studie wurde im Rahmen einer musiktherapeutischen Masterarbeit durchgeführt, die Ergebnisse auf der Internationalen Jahreskonferenz der Medizinischen Sektion am Goetheanum als Posterpräsentation vorgestellt und im Tagungsbericht des Merkurstabes publiziert. 2016 wird die Studie auf der 10. European Music Therapy Conference in Wien vorgetragen.

 

Partnerinstitutionen:     

Hochschule Magdeburg – Stendal
Klinik Öschelbronn

 

Finanzierungsquelle:       

Spenden

 

Publikationen und Vorträge:

  • Masterarbeit Viola Heckel, Hochschule Magdeburg – Stendal, Prof. S. Metzner
  • V. Heckel, D. Krüerke, S. Weiss, A. P. Simões-Wüst, S. Metzner (2016) Veränderung von Atmung und Herzrhythmus bei live gespielter Musik. Internationale Jahreskonferenz für Anthroposophische Medizin, Medizinische Sektion am Goetheanum, Dornach, 17.-19. September.
  • V. Heckel, D. Krüerke, S. Weiss, A. P. Simões-Wüst, S. Metzner (2016) Veränderung von Atmung und Herzrhythmus bei live gespielter Musik. Der Merkurstab 69(1): 57.

Rhythmische Massage - Untersuchung der Wirkungsweise

 

Die Rhythmische Massage wurde 1922 von Dr. Ita Wegman und Dr. Margarethe Hauschka begründet. Sie beruht auf der klassischen Heilmassage, arbeitet jedoch zusätzlich mit anderen Griffen und Techniken und zielt auf die Anregung des Rhythmischen Systems des Menschen. Erwartete Wirkungen der Rhythmischen Massage sind: Durchwärmung des Organismus und vertiefte Atmung sowie positive Einflüsse bei Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, Schmerzen, Verspannungen und Stauungen. Darüber hinaus soll die Rhythmische Massage ausgleichend auf die Stimmung wirken.

 

Bei diesem im Jahr 2008 begonnenen Projekt handelt es sich um eine prospektive Kohorten-Studie, welche am Paracelsus-Spital Richterswil durchgeführt wurde. Die Patientinnen und Patienten durften im Rahmen ihrer Behandlung neben Rhythmischer Massage auch andere Therapien in Anspruch nehmen. Alle Diagnosen wurden berücksichtigt. Die Entscheidung für Rhythmische Massage wurde vom behandelnden Arzt unabhängig von der Studie getroffen und entsprechend verordnet.

 

In einer Pilotphase wurden zusätzlich mit EKG und Infrarotfotografie die Effekte der Rhythmischen Massage auf Herzfrequenzvariabilität bzw. Wärmeverteilung erfasst.  Während sich die Forschungsabteilung der Klinik Arlesheim der Auswertung der Herzfrequenzvariabilität widmete, kümmerte sich die Forschungsabteilung des Paracelsus-Spitals Richterswil um die Wärmebildauswertung.

 

Die Analyse der Herzfrequenzvariabilität zeigte als Kurzzeiteffekt eine erhöhte Schwingungsfähigkeit des Rhythmischen Systems, langfristig veränderte sich die Schwingungsfähigkeit in Abhängigkeit vom Anfangswert. Die Rhythmische Massage hatte auch auf die Wärmeverteilung im Rücken eine harmonisierende Wirkung, wie es die Infrarotaufnahmen zeigen. Im Laufe der Behandlung wurden die minimalen Temperaturen tendenziell höher und die maximalen tiefer, was auf eine ausgeglichenere Wärmeverteilung nach der Therapie hinweist.

 

Bedeutung: Die Daten der Pilotphase zeigen, dass die Rhythmische Massage kurzfristig wie auch langfristig zu quantitativ erfassbaren Effekten führt: Sowohl die Durchwärmungsfähigkeit als auch die Erholungsfähigkeit der Patientinnen und Patienten verbessern sich über den Gesamttherapieverlauf. Rhythmische Massage führt zu einer nachhaltigen Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Patienten und zu Symptomenreduktion, auch die ärztliche Beurteilung zum Krankheitsschweregrad verbessert sich während der Therapie.


Weitere Informationen

Erreichtes: Die Daten betreffend die Wirksamkeit der Rhythmischen Massage unter alltäglichen Bedingungen wurden publiziert.

 

Partnerinstitution: 

Paracelsus-Spital Richterswil, Richterswil, Schweiz

 

Finanzierungsquelle:       

Weleda AG (Arlesheim),
Verband Rhythmische Massage Schweiz VRMS (Marbach)

 

Publikationen und Vorträge:

  • L. Ammann Albertin, C. Wälchli, D. Krüerke, A. P. Simões-Wüst (2015) Rhythmical Massage in Co-occurring Asthma and Hypertension: a Case Report. Internationale Jahreskonferenz für Anthroposophische Medizin, Medizinische Sektion am Goetheanum, Dornach, 17.-19. September.
  • L. Ammann Albertin, C. Wälchli, D. Krüerke, A. P. Simões-Wüst (2016) Rhythmical Massage in Co-occurring Asthma and Hypertension: a Case Report. Der Merkurstab 69(1): 55.
  • C. Wälchli, G. Saltzwedel, L. Rist, J. Eberhard, M. Decker, B. Bach-Meguid, A.P. Simões-Wüst (2015) Potential of rhythmical massage in the context of cancer diseases / Potential of rhythmical massage in the context of mental/behavioural diseases.
    Internationale Jahreskonferenz für Anthroposophische Medizin, Medizinische Sektion am Goetheanum, Dornach, 17.-19. September.
  • A. P. Simões-Wüst; „Rhythmische Massage: Wirksamkeit und Wirkungsweise“ (2015) Jahreskonferenz der Anthroposophisch-Medizinischen Bewegung, Dornach, 18. September.
  • A. P. Simões-Wüst; „Rhythmische Massage: Wirksamkeit und Wirkungsweise“ (2015) Jahreskonferenz der Anthroposophisch-Medizinischen Bewegung, Dornach, 18. September.
  • A. P. Simões-Wüst und D. Krüerke (2015) Wirkungsweise und Wirksamkeit der Rhythmischen Massage. Arbeitsgruppe 31, Internationale Jahreskonferenz der Medizinischen Sektion am Goetheanum, Dornach, 17. – 19. September.

HRV Analyse - eine neue Methode zur Analyse der Herzratendynamik

 

Mit unseren bewussten sowie unbewussten physischen und psychischen Tätigkeiten ändert sich beständig unsere Herzrate. Diese Änderungen dürfen als Ausdruck von Regulationsvorgängen betrachtet werden, welche im Gesunden ein angemessenes Variationsspektrum mit weiten Toleranzbereichen aufweist, was man unter dem Begriff der „Herzratenvariabilität“ (HRV) zusammenfasst. Bei Krankheit erscheint die HRV mehr oder weniger eingeschränkt. So bietet, neben der Bewertung des Gesundheitszustandes und der Bewertung der Symptome, die Betrachtung der HRV eine elegante Möglichkeit, um den Gesundungsprozess unter einer Therapie zu verfolgen und um auf ihre Wirksamkeit zu schliessen.    

 

Die statistische Analyse und die Frequenzanalyse von Herzraten-Zeitreihen aus EKG-Messungen sind etablierte Methoden zur klinischen Bewertung der HRV. Sie liefern Informationen über die autonome Balance, Schlafqualität, dem Zustand des Herzens selbst, sein Zusammenwirken mit dem Gefässsystem, mit der Atmung, sowie über die Regulationstätigkeiten in verschiedenen Bereichen über die Abbildung, von z.B. Blutdruck- und Durchblutungsrhythmen.

 

Komplexere, zusammenhängende Rhythmen in der Echtzeit-Herzrate bleiben dabei aber unentdeckt. Ausserdem versagen diese bisherigen Methoden für eine differenzierte klinische Beurteilung beim Auftreten bestimmter Arhythmien, wie z.B. Vorhofflimmern.

 

Wir haben deshalb eine neue Auswertungsmethode aufgegriffen und weiterentwickelt, bei der Beschleunigungs- und Abbremsvorgänge in der Herzrate betrachtet werden. Solche Auswertungen sind nur mithilfe von Computern möglich. Augenblicklich arbeiten wir daran, eine dafür geschriebene Software zu evaluieren, zu verbessern und zu erweitern.

 

Bedeutung: Erste Analysen mit den entwickelten Algorithmen von klinisch erhobenen EKGs gesunder Probanden und Patienten mit verschiedenen Diagnosen wie Vorhofflimmern, Bluthochdruck, Spannungskopfschmerzen, Angst- und Essstörungen, zeigen vielversprechende Ergebnisse. Insbesondere in der Möglichkeit einer differenzierten Diagnose bei Vorhofflimmern liegt ein grosses Potential, dem nachgegangen wird.


Weitere Informationen

Erreichtes:

Die Methode wurde auf einigen Tagungen als Poster- und als Vortragsbeitrag vorgestellt und mit Fachkollegen diskutiert.

 

Partnerinstitutionen:       
Filderklinik

 

Finanzierungsquelle:       

Spenden

 

Publikationen und Vorträge:

  • D. Krüerke (2016) Schwingungen – Takte – Rhythmen. Die Sache wird komplex. 21. Arbeitsgemeinschaft Rhythmusforschung, Öschelbronn, Deutschland 3.-4. März.
  • D. Krüerke (2016) „Schwingungen – Takte – Rhythmen. Die Sache wird komplex.“ Arbeitstage für Physiker und Physiklehrer 2016: Akustik und Wellen. Naturwissenschaftliche Sektion, Dornach, Schweiz, 24.- 27. Februar.

Phytotherapie - Studien über Präparate aus Bryophyllum pinnatum

 

Dr. Simões-Wüst beteiligt sich seit vielen Jahren an der Bryophyllum-Study-Group, einem Netzwerk von Wissenschaftlern, die sich mit Studien über Bryophyllum pinnatum-Präparate beschäftigen. Im Vordergrund stehen die analytische Charakterisierung der Präparate und die Untersuchung sowohl des Wirkungsmechanismus als auch der klinischen Wirksamkeit von Bryophyllum pinnatum-Präparaten.

 

Bisherige klinische Untersuchungen über die Behandlung mit Bryophyllum pinnatum bei verschiedenen Indikationen (z.B. vorzeitige Wehen, hyperaktive Blase und Schlafstörungen) zeigen ein gutes Nutzen/Risiko-Verhältnis. Da Bryophyllum pinnatum häufig bei Schlafstörungen verordnet wird und Krebspatienten häufig unter Schlafstörungen leiden, wurde am Paracelsus-Spital Richterswil untersucht, ob eine dreiwöchige Behandlung mit Bryophyllum pinnatum zu einer Verbesserung der Schlafqualität bei diesen Patienten beitragen konnte. Die Studie wurde von der kantonalen Ethikkommission des Kantons Zürich und von Swissmedic bewilligt. Die Schlafqualität, Tagesschläfrigkeit und Müdigkeit wurden mit Hilfe von standardisierten Fragebögen zu Beginn der Behandlung und nach 3 Wochen erfasst. Mögliche wahrgenommene Nebenwirkungen während der Behandlung wurden von den Patientinnen aufgezeichnet. Ein anerkanntee Schlafqualität-Index war am Ende der Behandlung mit Bryophyllum pinnatum deutlich besser. Die Werte des Tagesschläfrigkeit-Index waren kleiner, was auf eine Abnahme der Müdigkeit während des Tages hindeutet. Keine Beweise für spezifische Nebenwirkungen von B. pinnatum wurden gefunden und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt.

 

Mittels eines Online-Fragebogens wurden die Verordnungen von B. pinnatum im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe in der Schweiz sowie das Wirkungspotenzial und mögliche unerwünschte Ereignisse erfasst. Es zeigte sich, dass im Bereich der konventionellen Gynäkologie und Geburtshilfe B. pinnatum überwiegend bei schwangeren Patientinnen, dabei vor allem bei vorzeitigen Wehen, innerer Unruhe und hyperaktiver Blase verordnet wird. B. pinnatum zeigte eine gute Wirkung in der Behandlung dieser mit Hyperaktivität verbundenen Beschwerden.

 

Bedeutung: Es erscheint sinnvoll, Bryophyllum pinnatum zur Behandlung von Schlafstörungen wenigstens bei Krebserkrankungen und während der Schwangerschaft einzusetzen. Bryophyllum pinnatum wird zunehmend in der konventionellen Medizin eingesetzt.


Weitere Informationen

Erreichtes:

2015 wurde an der Klinik Arlesheim diese Schlafstudie ausgewertet und veröffentlicht. Auch der Artikel über die am Universitätsspital Zürich durchgeführte online Anwendungsbeobachtung wurde (z.T.) verfasst.

 

Partnerinstitutionen:        

Universitätsspital Zürich (Klinik Geburtshilfe, Forschungsgruppe Perinatale Pharmakologie und Biochemie), Universität Basel – Pharmazentrum (Pharmazeutische Biologie) und Weleda AG, Arlesheim

 

Finanzierungsquelle:       

Weleda

 

Publikationen und Vorträge:

  • A. P. Simões-Wüst (2015) Bryophyllum pinnatum: die Alternative zu Valium - Studienergebnisse und praktische Erfahrungen zur Schlafförderung und in der Verbesserung hyperaktiver Zustände, Paracelsus-Zentrum Sonnenberg, Zürich, 1. Juli.
  • O. Potterat, M. Oufir, C. Seiler, M. Gerodetti, K. Fürer R. Wächter, A. P. Simões-Wüst, M. Mennet-von Eiff, R. Brenneisen,  U. von Mandach, M. Hamburger. Bryophyllum pinnatum, a phytotherapeutic used in obstetrics and gynecology (2015) New insights into its pharmacological actions and chemical constituents. Working Group on Plant Chemistry, International Symposium on "The Plant Kingdom:  source of drugs, nutraceuticals and cosmetics. Marocco, Marrakech, 7.–10. April. 
  • A. P. Simões-Wüst, E. Jeschke, M. Mennet, M. Schnelle, H. Matthes, U. von Mandach (2015) Verordnungsmuster von Bryophyllum-Präparaten in einem Netzwerk anthroposophischer Ärzte. Der Merkurstab 3: 191-198
  • A. P. Simões-Wüst, T. A. Hassani, B. Müller-Hübenthal, S. Pittl, A. Kuck, H. Meden, J. Eberhard, M. Decker, K. Fürer, U. von Mandach; the Bryophyllum Collaborative Group (2015) Sleep quality improves during treatment with Bryophyllum pinnatum: an observational study on cancer patients. Integrative Cancer Therapies 14(5): 452-459.
  • K. Fürer, A. P. Simões-Wüst, A. Winkler, N. Amsler, M. Schnelle, U. von Mandach (2015) Die Anwendung von Bryophyllum pinnatum Präparaten bei hyperaktiven Zuständen - eine multi-zentrische prospektive Beobachtungsstudie. Forschende Komplementärmedizin 22: 231-236.
  • Mouhssin Oufir, Christina Seiler, Manon Gerodetti, Julia Gerber, Karin Fürer, Monica Mennet-von Eiff, Siegward-M. Elsas, Rudolf Brenneisen, Ursula von Mandach, Matthias Hamburger, Olivier Potterat (2015) Quantification of Bufadienolides in Bryophyllum pinnatum Leaves and Manufactured Products by UHPLC-ESIMS/MS, Planta Med; 81: 1190–1197

Phytotherapie und Selbstkontrolle bei Epilepsie

 

Herausgabe eines Sonderhefts der wiss. Zeitschrift „Epilepys and Behavior“ zum Thema „Botanicals for Epilepsy“ (Phytotherapie bei Epilepsie). Fortlaufende Dokumentation von Beobachtungen der Anfalls-Selbstkontrolle bei Epilepsiepatienten in der neurologischen Ambulanz.


Weitere Informationen

Publikationen und Vorträge:

 

S.M. Elsas, Sucher N.J. (2015) Botanicals for epilepsy. Editorial.  Epilepsy & Behavior 52: 279-280


Ein Modell zur Verwendung praxisbezogener Daten aus der Pflanzenheilkunde

 

Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Erfahrungen aus der therapeutisch-ärztlichen Praxis bei der Verwendung von Heilpflanzen zu allgemein zugänglichen Informationen werden können.

 

Das Sammeln solcher Informationen über medizinische Verwendung von Pflanzen ist sehr anspruchsvoll. Da botanische Heilmittel im Rahmen unterschiedlicher medizinischer Systeme verwendet werden, unterscheiden sich auch viele Prozesse, von der Ernte über die Weiterverarbeitung bis zur Anwendung.

 

Ein Modell zur Vorgehensweise, wie nützliche Daten zur Sicherheit, Wirksamkeit und Anwendung botanischer Heilmittel aus der Praxis gewonnen und der Praxis wieder zur Verfügung gestellt werden kann, bildet das von der Vereinigung anthroposophischer Ärzte in Europa entwickelte „Vademecum Anthroposophische Arzneimittel“ (www.vademecum.org). Jahrzehntelange Erfahrungen von Hunderten von Ärzten werden darin zusammengefasst und in einem Handbuch zugänglich gemacht. Die am häufigsten verwendeten pflanzlichen Stoffe darin sind alphabetisch sortiert, es enthält und beschreibt die erfolgreichsten therapeutischen Erfahrungen, die von mehreren Ärzten bestätigt wurden.

 

Dieser Ansatz der systematischen, kontinuierlichen und mehrsprachigen Sammlung erfolgreicher therapeutischer Anwendung pflanzlicher Heilmittel erscheint zukunftsweisend für die medizinische Praxis und die Ausbildung in diesem Bereich, der sich möglicherweise auch auf andere Bereiche und andere medizinische Systeme übertragen liesse.


Weitere Informationen

Publikationen und Vorträge:

  • Siegward M. Elsas (2015) A model on how to obtain data from botanical practitioners. Epilepsy & Behavior 52: 333–337

Mucuna pruriens bei M. Parkinson

 

Organisation des Heilmittelimportes aus Indien und kontinuierliches Dokumentieren von Anwendungsbeobachtungen in der neurologischen Ambulanz. Verhandlungen für den Anschluss an die schweizweite Datenbank des Kantonsspitals St. Gallen (Stefan Hägele, Stellv. Leitung Neurologie).

Bioernährung - Einfluss biologischer Ernährung auf die Gesundheit

 

Mehrere Ergebnisse aus der an der Universität Maastricht stattfindenden Geburt-Kohortenstudie KOALA deuten auf eine gesundheitsfördernde Wirkung biologischer Ernährung. KOALA ist auf Niederländisch ein Akronym für „Kinder, Eltern und Gesundheit, Lebensstile und genetische Konstitution Geburt-Kohortenstudie“. In dieser Studie wurden Mutter-Kind-Paare während der Schwangerschaft und den ersten Jahren nach der Geburt beobachtet. Die bisherigen Auswertungen weisen darauf hin, dass 2-jährige Kinder, die sich in Bezug auf Milchprodukte konsequent biologisch ernährten, ein bedeutend tieferes Risiko verzeichneten, Ekzeme zu entwickeln. Es wurde weiterhin gezeigt, dass das Ausmass bestimmter gesundheitsfördernder Fettsäuren in der Muttermilch durch den Verzehr von Milch- und Wiederkäuerfleischprodukten biologischer Herkunft erhöht wird und dass Frauen mit alternativen Lebensstilen – welche eng mit der Entscheidung zur biologischen Ernährung verbunden waren – einen niedrigeren Körpermasseindex und eine geringere Prävalenz von Übergewicht und Adipositas aufwiesen als Frauen mit konventionellen Lebensstilen.

 

Die an der Kohortenstudie KOALA teilnehmenden Mütter beschrieben in einem ausführlichen Fragebogen ihren Lebensmittelkonsum und ihre Essgewohnheiten während der Schwangerschaft. Die Fragen umfassten Häufigkeit und Umfang des Lebensmittelverzehrs und ob diese aus biologischer Herkunft stammten. Darüber hinaus liessen sich die Mütter während der Schwangerschaft Blutproben entnehmen, in denen die Mengen an u.a. HDL-Cholesterin, Fettsäure, Homocystein, Vitamin D und intrazelluläres Folat bestimmt wurden. Diese zwei Datensets – aus den detaillierten Fragebogen zur Ernährungsweise und aus den Blutanalysen-Berichten – ermöglichten das hier beschriebene Projekt. In diesem Projekt soll erstmals die Ernährungsweise der Teilnehmerinnen, die sich für biologische Nahrungsmittel entschieden haben mit denjenigen der Teilnehmerinnen, welche sich konventionell ernährt haben, verglichen werden. Anhand der detaillierten Fragebogen können folgende Aspekte verglichen werden: a) Nahrungsmittel, b) Nahrungsergänzungsmittel, c) Mikro-Nährstoffaufnahme, d) Ballaststoff und e) Energieaufnahme. Untersucht wird z.B., ob die relativen Mengen an bestimmten Nahrungsmitteln verschieden sind oder ob die gesamte Einnahme verschiedener Nährstoffe, von Ballaststoffen und Energie sich von denjenigen in einer rein konventionellen Ernährungsweise abweicht. Anschliessend soll untersucht werden, ob und wie biologische Ernährung die Mengen an verschiedenen, gesundheitsrelevanten Blutinhaltstoffen beeinflussen kann.

 

Bedeutung: Es zeigt sich, dass Teilnehmerinnen, die biologisch hergestellte Nahrungsmittel gebrauchen, sich anders ernähren als Teilnehmerinnen, welche nur konventionelle Produkte zu sich nehmen. De Einfluss des Lebensstils auf die Ernährungsweise scheint viel grösser zu sein als bisher angenommen.


Weitere Informationen

Erreichtes:

In Zusammenarbeit mit Prof. Carel Thijs (Universität Maastricht) wurde ein Grossteil der Auswertungen durchgeführt. Auch wurde eine Publikation entworfen.

 

Partnerinstitutionen:       
Universitätsspital Zürich (Klinik Geburtshilfe, Forschungsgruppe Perinatale Pharmakologie und Biochemie), Universität Maastricht, Niederlanden

 

Finanzierungsquelle:
Christophorus Stiftung

 

Publikationen und Vorträge:

  • A. P. Simões-Wüst (2015) Warum stillende Frauen von biologischer Ernährung profitieren, Inselspital, Interdisziplinäre Fachtagung „Muttermilch – was ist dran/drin?“, Bern, 28. August.
  • A. P. Simões-Wüst (2015) Kann Komplementärmedizin einen aktiven Beitrag zur Prävention von Übergewicht leisten? Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin 27: 230-238

Flüssigkristalle - Ihre Anwendung in Medizin und Diagnostik

 

Flüssigkristalle sind weiche, in der Regel durch organische Verbindungen gebildete, Materialien. Sie vereinen die Eigenschaften giessbarer Flüssigkeiten, Gele, Wachse und Elastomere mit den Eigenschaften kristalliner Festkörper: z.B. Doppelbrechung, der Anisotropie elektrischer, magnetischer, dielektrischer, thermischer und mechanischer Grössen.

 

Durch die Doppelbrechung besitzen Flüssigkristalle für ihre Struktur und deren Grenzflächenorientierung typische Texturen, die sich in einem Polarisationsmikroskop beobachten lassen. Die teilweise hoch komplexen Supramolekularen Ordnungen flüssigkristalliner Phasen können durch Dotierung mit Fremdsubstanzen, den Einfluss von Orientierungseffekten in Grenzflächen sowie durch elektrische und magnetische Felder in empfindlicher Weise beeinflusst werden. Die auftretenden Änderungen sind charakteristisch für Art und Stärke der Wechselwirkung welche sehr selektiv und sensitiv sein kann. Diese Eigenschaft ist von besonderer Bedeutung für den weltweiten Einsatz von Flüssigkristallen in Flachbildschirmen, den sogenannten Liquid Crystal Displays (LCDs).

 

Dass die chemische Struktur der Moleküle eine tragende Rolle bei der Strukturbildung des Flüssigkristalls spielt, zeigen über 120 Jahre systematische Untersuchungen tausender von Flüssigkristall­verbindungen. Ein alleinige Erklärung der beobachteten Phasen, deren Komplexität, Dynamik und Vielfältigkeit durch die elementaren physikochemischen Eigenschaften der Verbindungen, gelingt jedoch nicht. Es gilt vielmehr das durch Aristoteles ausgedrückten Prinzip „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ in eindrucksvoller Weise. Die molekulare Ordnung besitzt einen funktionellen, strukturierenden Rückbezug, wodurch sich der Flüssigkristall „selbstorganisiert“. Bei „sich selbst organisierenden Systemen“ wird unklar, wo was wie auf was wirkt. Die „Gesamtheit“ besitzt nicht reduzierbare Qualitäten, mit denen sie einen Einfluss auf sich selbst nimmt, wodurch es unmöglich wird, sie allein durch lineare Kausalfolgen zu erklären. Hierbei können geringe Wirkungen auf molekularer wie auf makroskopischer Ebene grosse und komplexe Veränderungen zur Folge haben, der sich naturwissenschaftlich am ehesten mit unserem noch relativ jungen Verständnis zur Physik nichtlinearer Prozesse begegnen lässt.

 

Bedeutung: Nachdem die Weiterentwicklung von Flüssigkristall-Flachbildschirmen weitgehend durch die Industrie vorgenommen wird, konzentriert sich die akademische Forschung mit diesen spannenden Materialien auf ihre umfangreiche aber noch wenig verstandene Bedeutung in lebender Materie. Mit diesem Projekt schliessen wir uns dieser interessanten Entwicklung an. 


Weitere Informationen

Erreichtes:

Physikalisch-chemische Untersuchungen, die in Kooperation mit dem Verein für Krebsforschung (Arlesheim, Schweiz) durchgeführt wurden, erlaubten erste Einschätzungen darüber, wie sich Flüssigkristalle in einfacher Weise zur qualitativen Charakterisierung von Pflanzenextrakten und Heilmitteln verwenden lassen, was eventuell auch in der unterstützenden, ergänzenden oder alternativen klinischen Diagnostik zur Anwendung kommen könnte.

 

Partnerinstitutionen:        

Verein für Krebsforschung - Arlesheim

 

Finanzierungsquelle:       

Spenden

 

Publikationen und Vorträge:

  • D. Krüerke (2015) Anisotrope Fluide - rhythmische Strukturen und rhythmische Prozesse in geordneten Flüssigkeiten. 20. Arbeitsgemeinschaft Rhythmusforschung, Deutschland, Öschelbronn, 19.-20. Februar.

Behandlung von Brustkrebspatientinnen mit Mistelextrakten unterschiedlicher Wirtsbäume - Eine Analyse der onkologischen Dokumentation der Klinik Arlesheim

 

Mistel-Präparate (Viscum album) sind die am häufigsten verwendete Form von komplementärer Krebstherapie. Die Präparate werden oft in der adjuvanten Therapie verwendet, in Kombination mit den Standardbehandlungen Chemotherapie und Bestrahlung. Es wurde gezeigt, dass die postoperative Behandlung mit einem Mistelextrakt zusammen mit einer Standardtherapie die Lebensqualität und die rezidivfreien Intervalle bei Brustkrebspatientinnen verbessert. In-vitro-Experimente, sowohl mit Zelllinien als auch in Primärkulturen, haben gezeigt, dass Präparate aus Mistelbüschen, die in verschiedenen Wirtsbäumen wachsen, unterschiedliche Inhaltsstoff­zusammensetzungen aufweisen und in ihrer zytotoxischen Wirkung variieren. Des Weiteren sollen Mistelextrakte immunmodulatorische und wachstumshemmende Eigenschaften besitzen. Es ist noch nicht bekannt, welche Mistel-Präparate klinisch relevanter sind als andere. In der Praxis treffen die behandelnden Ärzt/innen die Wahl für ein bestimmtes Präparat einerseits aufgrund der Empfehlungen des Herstellers, andererseits aufgrund ihrer Erfahrungen. Auch wird der Krankheitsverlauf und das Ansprechen der Patientinnen auf die Therapie berücksichtigt und die Wahl des Präparates angepasst und geändert. 

 

Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Verschreibungsschema von Mistel-Präparaten bei der Behandlung von Brustkrebspatienten zu charakterisieren, mit dem langfristigen Ziel der Verbesserung der Misteltherapie bei Brustkrebspatientinnen. Zu diesem Zweck wird die Datenbank der Klinik Arlesheim ausgewertet und analysiert. Ein Ziel ist es, herauszufinden, welches Mistel-Präparat als Mittel erster Wahl, welches als Mittel zweiter Wahl etc. eingesetzt wurde. Ein weiteres Ziel ist es, die Dauer der aufeinanderfolgenden Mistelextrakt-Behandlungen zu charakterisieren. Die Verwendung der verschiedenen Mistel-Präparate könnte auch nach krankheitsbedingten Parametern wie dem Tumorstadium, dem Grading und der Hormonabhängigkeit des Tumors, aber auch nach dem Hormonstatus der Patientinnen und den Begleittherapien charakterisiert werden.

 

Bedeutung: Durch dieses Projekt soll die Behandlung von Brustkrebspatientinnen mit unterschiedlichen Präparaten abgebildet werden. Eventuell lassen sich Zuordnungen der verschiedenen Mistel-Präparate zu spezifischen Patientinnen- oder Erkrankungs-Eigenschaften identifizieren.


Weitere Informationen

Erreichtes:

2015 wurde dieses Projekt vorgeschlagen, das zunächst im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Basel durchgeführt wird.

 

Partnerinstitution:

keine

 

Finanzierungsquelle:

Spenden


Wissenschaftliche Dokumentation und Datenbankauswertungen

 

Die grosse wissenschaftliche onkologische Dokumentation an der Klinik Arlesheim wurde konsolidiert, aufgearbeitet, gesichert, wird weiterbetreut und fortgeführt. Deskriptive Auswertung der bisher erhobenen Daten in Kooperation mit dem FIH (Forschungsinstitut Havelhöhe, Berlin) und der SAKK ( Schweizer Arbeitsgemeinschaft Klinische Krebsforschung, Bern/Basel).


Weitere Informationen

  • Erstmalige Qualitätssicherung der Daten der 2010 neuaufgesetzten QuaDoSta ©.
  • Nachpflege der fehlerhaften und unvollständigen Daten.
  • Umstellung auf Informationsquelle Krankenhausinformationssystem INES.
  • Ausarbeitungen für die Erreichung eines generellen Forschungskonsent zur Ablösung der generellen Bewilligung Anfang 2017 in Absprache mit der EKNZ (Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz) und dem USB (Unispital Basel).

 

Datenbankauswertungen

 

Unter Nutzung der klinikeigenen und angeschlossenen Datenbanken:

  • QuaDoSta© (Qualitätssicherung, Dokumentation und Statistik). Eine onkologische, internationale Datenbank des Forschungsinstituts Havelhöhe in Berlin.
  • Nachsorgedatenbank (onkologische Datenbank, Klinik Arlesheim intern)
  • KALIBUR (immunologische Datenbank, Klinik Arlesheim intern)
  • Temperaturmessungen (onkologische Datenbank, Klinik Arlesheim intern)

Weitere in 2015 begonnene Projekte mit der onkologischen Dokumentation:

Prostata Ca-Nomogramme, Untersuchung zur Gesamtüberlebenszeit unter Misteltherapie (in Kooperation mit Dr. Wilfried Tröger, Verein für Krebsforschung)

 

Immunologische Parameter – Veränderungen bei Misteltherapie (In Kooperation mit Prof. Dr. Erik Baars, Uni Leiden, NL)

 

Mistel-Fieber (erstmalige Auswertung von über 10‘000 klinischen Temperaturmessungen bezüglich mistelinduziertes Fieber)

 

Auswirkungen der endogenen Fieberinduktion durch Iscador

Vorläufige Untersuchungen, wie sich die durch Iscador©-Injektion induzierte Fieberentwicklung auf die Herzratenvariabilität, die autonome Balance, die Schlafarchitektur und die Schlafqualität auswirkt. Um erste Erfahrungen zu sammeln wurden ärztlich angeordnete Lang- und Kurzzeit-EKG-Messungen, die an Mistel-Naiven Patienten im klinischen Setting durchgeführt wurden, ausgewertet. Diese Auswertungen dienen unter anderem zur Studienvorbereitung (nach Absprache voraussichtlich mit Danijel Galun, Clinic for Digestive Surgery, Clinical Center of Serbia, Belgrade)


Personelles

 

Dr. Ana Paula Simões-Wüst ist seit September 2014 Wissenschaftlerin in unserer Forschungs­abteilung und der Forschungsgruppe „Perinatale Pharmakologie“ an der „Klinik für Geburtshilfe“ des Unispitals Zürich (USZ) unter damaliger Leitung von Prof. Dr. Ursula von Mandach. Neben ihrer wertvollen Arbeit in diesen zwei Forschungsgruppen arbeitete sie auch beständig an ihrer Habilitation - sie erhielt Anfang 2016 ihre Venia legendi der Universität Zürich für das Fachgebiet „Geburtshilfe, speziell Perinatale Biochemie und Pharmakologie“.

 

Nach der Emeritierung von Frau von Mandach im November 2015 übernahm Frau Simões-Wüst die Leitung der dortigen Forschungsgruppe „Perinatale Pharmakologie und Biochemie“ am USZ. Sie hat vor, sich dort auch Untersuchungen zu Arzneimitteln der Anthroposophischen Medizin, insbesondere Bryophyllum pinnatum, zu widmen.

 

 

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